Dienstag, 13. Juli 2010

Tulcán, COLOMBIA

Meine Lieben.
Hier folgt der wahrscheinlich vorletzte Post aus Ecuador.
Was danach kommt, weiss man nicht.
Wie geht es euch?
Todo en orden?
Wie ich gerade festgestellt habe, gibt es Einiges aufzuholen, was das Erzaehlen betrifft.
Fangen wir an mit dem Dienstag letzter Woche, der ganz meiner Schwester Paz galt, die sich an diesem Tag Geburtstagskind nennen durfte. Habe sie bis zum Mittagessen nicht gesehen, was an ihren taeglichen Deutschstunden lag. Unsere Grosseltern waren im Haus, die sich nach dem niederlaendischen Sieg aber schon verabschiedeten. Am Nachmittag haben wir uns ein paar Filmen gewidmet und sind dann zum Monaco gefahren - meiner Lieblingspizzaria. :) Die Pizzen verschlungen ging es fuer mich zum ersten Mal in ein Casino. Wir haben uns fuer 2 Dollar die kolumbianischen Pesos gekauft, die in diesem Casino als Spielmuenzen dienten. Nach 10 Minuten war der Spass auch schon vorueber, denn ich bin ein kleiner Loser, was diese Sachen betrifft. Gluecklich ueber die neue Erfahrung wurde sich dann auch schon bettfertig gemacht.
Am Mittwoch habe ich mich mit Iva in der Stadt getroffen, die mir bei all meinen Erledigungen Gesellschaft geleistet hat. Ein sehr komisches Gefuehl so durch die Strassen zu laufen und all die Dinge ausfindig zu machen, die einem fuer die grosse Heimreise noch fehlen koennten. Anschliessend haben wir uns bei ihr zu Haue ein wenig breit gemacht, ich habe meine alte Familie besucht und bin dann nach Hause, wo ich mit meinen Schwestern mal wieder "luna nueva" geguckt habe - der 2. Teil von Twilight. Als ich dann irgendwann ins Bett fiel, war die erste Tasche auch schon gepackt.
Am Donnerstag habe ich mich wieder mit Iva getroffen, die sich fuer 8:30 angekuendigt hatte und dann letztendlich auf meiner Hausmatte so gegen 9:30 stand. Es lebe die Unpuenktlichkeit. Naja, war nicht weiter tragisch, da ich ihr sehr dankbar fuer den grossen Beistand war. Wir sind unteranderem zum Colegio gefahren, wo ich ein paar MEINER Fotos abholen konnte. Leider nicht alle, denn irgendjemand hat sich die Coolsten wohl unter den Nagel gerissen. Danach sind wir nochmal in die Stadt und anschliessend bin ich dann der Einladung meiner ersten Familie gefolgt, die mir Tacos offenbarte. Diese Situation von wegen "Abschiedsessen" und "wir sitzen alle nochmal zusammen" hatte ich schonmal, nur dass ich damals das Haus in Ecuador gewechelt habe und es nun auf nach Deutschland geht. Es war sehr schoen, noch einmal mit allen zusammen zu sitzen, auch wenn ich leider nicht viel Zeit hatte, da es so gegen 2 nachmittags nach Quito ging. Nach einem Drittel der Strecke wurde ich dann an den mitzubringenen Reisepass erinnert, den ich natuerlich vergessen hatte und es ging nochmals nach Riobamba. Ein paar Stunden spaeter in Quito angekommen wurde das Apartment meiner Familie analysiert und das war's dann auch schon vom Tag.
Am Freitag wartete eine lange Reise auf uns, da es in die noerdlichste Stadt Ecuadors ging - Tulcán. Tulcan ist einer mehr oder weniger grosse Stadt, mit ein paar mehr oder weniger anders sprechenen Ecuatorianern, aber was wohl das groesste mehr oder weniger grosse Merkmal ist: KAELTE! Man, ihr koennt euch nicht vorstellen, wie ich gelitten habe. Waere ja alles nicht so schlimm gewesen, wenn wir nicht in einem Haus untergekommen waeren, welches keine Flure kennt sondern nur die frische Luft. Naja, gut fuer's Klo, welches sich auch in freier Wildbahn befand und dazu noch durchsichtig war, bzw. grosse Guckritzen hatte. Naja, ich will mich nicht beschweren - es war eine gute Erfahrung. Wir wurden super nett empfangen von der Familie meines Vaters, welcher total aufgeregt war, da er die Leute schon seit Ewigkeiten nicht gesehen hatte. Es gab essen und dann ging es auch schon zu der Atraktion, die ich mir seit Ewigkeiten zu sehen gewuenscht hatte - DER FRIEDHOF. Ihr denkt jetzt bestimmt "Die ist doch verrueckt!", aber Pustekuchen, denn dieser Friedhof hat ueberlebensgrosse Buschfiguren zu bieten, die einfach nur genial sind. Oh man, ich habe mich ein bisschen gefuehlt wie ein Harry Potter im Labyrinth. Sehr cool. Schon an diesem Punkt, hatte sich die lange Reise gelohnt. :) Spaeter sind wir dann noch ein wenig duch Tulcan gefahren, haben uns ein Museum angeguckt und dann ging wieder ins Haus der Kaelte.
Was mich am Samstag erwartete war das absolute Highlight meiner letzten Reise in Ecuador oder besser gesagt: KOLUMBIEN??????!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Richtig gelesen, es ging fuer die kleine Johanna aus Raesfeld nach Kolumbien. Ecuador ist ein Land, bei dem schon mal vermutet wird, dass es dem afrikanischen Kontinent zubehoert, da es einfach keiner kennt - ich meine fast keiner. Kolumbien hingegen ist ein beruehmtes Land, wenn auch fuer dessen negative Seiten. Auf der Reise zur 10 Minuten entfernten Grenze wurden mir einige Schauergeschichten naeher gebracht, die mich aber nicht wirklich abgeschreckt haben. Wer Interesse an diesen Geschichten hat, fragt mich am besten in 5 Tagen von face to face. ;) Dann war es auch schon soweit. Es wurde das Auto verlassen und die Greze wurde zu Fuss ueberschritten. Wie coool. :) An der Grenze wollen dir die Leute keine Manderinen andrehen, auch keine Wasserflaschen. Nein, in diesem Fall werden einem die Pesos um die Ohren geworfen. In unserem Fall nicht noetig, da wir schon in Tulcan gewechselt vom Dollar zu Pesos gewechselt hatten. Wieder ins Auto gestiegen ging es dann durch die nicht viel anders aussehende, wenn auch waermere Landschaft die uns dann zur "virgen de las lajas" fuehrte, was so viel heisst, wie die Jungfrau der Schieferplatten. Die Legende besteht darin, da eines Tages an einem wunderschoenen Ort eine Jungfrau auf Schieferplatten erschienen ist und von dort aus Wunder vollbrachte und das der Sage nach immer noch macht. Als wir den langen Weg, mit vielen typischen Sachen Kolumbiens hinter uns gebracht hatten, war ich hoffnungslos ueberweltigt von der Vielfalt an Danksagungen, die die Leute naher der Virgen an die Waende gebracht hatten. Einfach unglaublich. Irgendwann gelangten wir dann zur Kirche, in der sich die Virgen an die Schieferplatte bemalt befand. Wenn man gegenueber der Virgen steht ist es Sitte, seine Wuensche zu aussern und somit auf ein neues Wunder zu hoffen. Danach haben wir uns ein wenig mehr umgeschaut. Ein wirklich wunderschoener Ort. Er hat mich ein wenig an Baños erinnert, da die Kirche an einem Fluss liegt mit Wasserfall und allem drum und dran. Seeehr schoen. Von diesem kulturellen Ausflug ging es am Nachmittag in die Stadt Ipiales, wo alle Laeden von meiner Mutter und meinen Schwestern unsicher gemachtwurden. Man, man. Kolumbien ist beruehmt fuer seine billigen Klamotten, was sie aber nicht davon abhaelt haesslich zu sein. Egal. Maechtig muede, Greze ueberquert zum wunderschoenen, atemberaubenen, tollen Ecuador und ab "nach Hause".
Am Sonntag haben wir dann auch schon die Heimreise angetreten, die sich ueber den ganzen Tag erstreckte. Na gut am Morgen haben wir noch ein paar Sachen erledigt, Hornado gegessen, aber dann galt unser Tag dem Auto. Haben ein Weilchen in Ibarra angehalten, dort ein Eis de paila gegessen und dann ein Cafe in los chillos im Haus meiner Tanten getrunken. Dort wurde mir dann auch schon eine sehr ruehrseelige Abschiedsrede gehalten, die ich natuerlich nicht ohne Traenen ueberstanden habe. Diese Familie ist mir echt so sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie ohne Ende vermissen. :( Die ganze Fahrt ueber habe ich mich nicht mehr einbekommen, was mich dann noch mueder ins Bett hat fallen lassen.
Heute habe ich mich den ganzen Tag mit dem Packen beschaeftigt, was alles andere als einfach war. Wie soll man ein ganzes Jahr, sein ganzes ecuatorianisches Leben in 1 Koffer und eine Reisetasche bekommen? Das ist quasi unmoeglich. Naja. Irgendwie muss ich das hinbekommen.
In diesem Moment sind die Gefuehle mehr als gespalten. Ich freue mich einerseits riesig meine Familie und Freunde wieder zu sehen, andererseits fuehle ich mich, als waere ich der traurigste Mensch auf Erden, da ich alle meine liebgewonnen Menschen hier zurueck lassen muss. Es ist ein Wechselbad der Gefuehle. :( Unglaublich schwer. Ich weiss, dass ich am Samstag den atlantischen Ozean ueberquert haben werde und meine Familie und Freunde in den Arm schliessen werden kann, aber fuehlen kann ich es noch nicht.
Mit diesen Worten und dem bevorstehenden Abschied von den Rotariern lasse ich euch nun allein in der Freude des baldigen Wiedersehens. ;)
Ich habe euch sehr lieb!
Johanna

2 Kommentare:

  1. Liebe Hanna,
    dann wird das wohl auch mein letzter Kommentar sein.
    Selbst mir kommen schon fast die Tränen, wenn ich lese wie es dir jetzt in deinen letzten Tagen so geht........
    Das Abschiednehmen ist ganz schrecklich, und die Wiedersehensfreude groß, und ich werde deine tollen Geschichten seeeehhhhrrrr vermissen.Mußte jetzt halt persönlich machen.... Ich wünsche dir ein paar letzte schöne Tage in Ecuador, einen guten Rückflug und komm gesund in Raesfeld an. Ich freue mich schon sehr dich ganz fest zu drücken.
    Liebe Grüße aus Südlohn, Ulli !!!!!!

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  2. Hanna,
    ich kann es schon fühlen...
    Je näher der Zeitpunkt rückt,umso schneller schlägt mein Herz!!!!
    Man,ich bin schon soooooo aufgeregt,
    ich halt' das kaum noch aus...
    Ich hab den Blog auch mit glasigen Augen gelesen und ich kann es auch gut verstehen,
    dass du ein riesiges Wechselbad der Gefühle hast.
    Aber du kannst dich auf Deutschland freuen,
    da sich so viele liebe Menschen auf dich freuen...
    WIR HABEN DICH ALLE SO VERMISST!!!!!!!!!!
    Also pass noch gut auf dich auf und wir freuen uns sehr,dich am Flughafen durch die Glastür kommen zu sehen,jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
    Ich hab dich sooooooooo lieb.

    Ulli,uns wird echt was fehlen,
    keine schönen Geschichten in den frühen Morgenstunden,aber persönlich erzählt hat auch was,oder?
    Ich hoffe doch sehr,dass Jonas sich auch einen Blog einrichtet,dann könnte es spannend weiter gehen....
    Ich hoffe darauf!!!
    Liebste Grüße aus Raesfeld,
    ,,WIR SEHEN UNS'' :)

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