Mit meinem ersten Bericht aus dem wunderschoenen Land Ecuador, moechte ich einen Einblick in mein absolut spannendes, aber auch anderes Leben in Suedamerika geben.Nach der ca. 16 stuendigen Reise von Duesseldorf nach Quito, der Haupstadt Ecuadors, wurde ich total nett von meiner Familie empfangen. Sie hatten mir sogar ein Schild gebastelt und ich war sehr geruehrt. Wie lange hatte man auf diesen Moment gewartet und dann war er auch noch besser als erwartet. Meine erste Nacht in Ecuador habe ich in Quito in dem Haus meines Onkels verbracht. Direkt am ersten Abend wurde typisch ecuatorianisches Essen aufgetischt. Natuerlich habe ich alles probiert und fand es gar nicht mal so schlecht. Ich bin jetzt 5 Wochen hier und habe mich mittlweile daran gewoehnt, auch wenn ich nach den ersten 2 Wochen die schlimmsten Margen-Darm-Probleme meines Lebens hatte. Als wir dann am 2. Tag in meinem zu Hause in Riobamba ankamen, war ich ueberweltigt – so schoen war es. Ich habe hier mein eigenes Zimmer, was meine Familie extra in meiner Lieblingsfarbe gestrichen hat. Ich habe 3 Geschwister: Sebastian, der 13 Jahre alt ist, Alejandra, die 8 ist und Johanna, 17 Jahre, die aber im Moment im Austausch in Deutschland ist. Zu Anfang war es echt schwer, sich mit ihnen zu unterhalten, weil mein Spanisch zu wuenschen uebrig lies, aber mittlwerweile funktioniert die Kommunikation schon echt gut. Was wahrscheinlich auch sehr dazu beigetragen hat, war die erste Reise nach Quito, wo ich alle anderen Austauschschueler aus meiner Region getroffen habe und wir zusammen Spanischunterricht hatten. Es war sehr schoen nach den ersten Wochen die ersten Erfahrungen und Eindruecke besprechen zu koennen. Die Schule in Ecuador ist im Gegensatz zu der deutschen Schule sehr viel lockerer. Hier geben sich die Lehrer und Schueler zur Bergruessung Kuesschchen und auch ansonsten ist das Verhaeltnis zwischen Schuelern und Lehrern viel freundschaftlicher. Was mir hier ziemlich gut gefaellt sind die Schuluniformen. Montags kommen alle in einer schicken Uniform, die aus Blazer, Bluse, Krawatte und Rock besteht. Die restlichen Tage sind etwas legerer. Kontakte zu knuepfen ist in Ecuador nicht schwer. Alle sind neugierig auf das grosse, blonde Maedchen mit den blauen Augen. Manchmal kommt man sich schon vor,
wie eine Art Alien, weil einem auf der Strasse alle hinterher starren und hupen. Im Moment finde ich es noch amuesant, aber das wird sich in den kommenden Monaten bestimmt aendern. Mir ist aufgefallen, dass es in Ecuador bei Weitem einfacher ist, “Freunde” zu finden, da die Menschen hier einfach viel offener, aber dafuer auch ein wenig oeberflaechlicher sind. Bis sich aber richtige, Freundschaften bilden, mag es wohl noch ein Weile dauern. Da meine Familie zu der oberen Schicht Ecuadors gehoert habe ich das grosse Gleuck, dass sie mir viel zeigen und mit mir reisen koennen. Ich war zum Beispiel auf dem Altar, ein Vulkan, wo wir geritten sind und ich einfach nur beeindruckt von der atemberaubenden Landschaft war. Als wir Verwandte in San Pablo, der Provinz Guayas, besucht haben, war ich eigentlich eingestellt auf ein Szenario der Kueste. Was mich aber erwartet hat, war der tiefste Regenwald. Diese Erlebnisse werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen, genauso wenig wie unseren Trip nach Quito, als ich einen Ausblick ueber die ganze Stadt hatte und ich auf der Mitte der Welt gestanden habe. An sich ist es ja nichts Besonderes, auf einer orangen Linie zu stehen, aber sich vorzustellen, dass man einen Fuss auf die eine Seite und den anderen auf die andere Seite der Erde stellen kann ist schon irgendwo, mir fallen keine anderen Woerter ein, cool und verrueckt. Es ist unglaublich, wie fassettenreich Ecuador ist, aber auf der anderen Seite erschreckend, welche Zustaende hier teilweise herrschen. In meiner Stadt zum Beispiel gibt es einen relativ grossen Anteil an indigener Bevoelkerung. Auf der Strasse wird man auf einer Distanz von 300 Metern mindestens 2 mal angesprochen, ob man nicht Suessigkeiten, Fruechte, Lose oder Sonstiges kaufen moechte. Was mich auch noch traurig stimmt sind die unzaehlbaren, herrenlosen Hunde, die hier rumlaufen. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich mal einen Hund an einer Leine gesehen haette oder einen der eindeutig zu einem Menschen gehoert.Dann gibt es auch noch die gefaehrliche Seite Ecuadors. Ich kann schon nicht mehr zaehlen, wie oft ich ich schon vorm Strasse ueberqueren einem Auto ausweichen musste, weil die Ecuadorianer, wie die „Wilden“ fahren. Ausserdem ist es komisch zu sehen, dass die Polizisten in der Stadt alle eine Pistole mit sich tragen. Mich erschreckt es, dass soetwas notwendig ist, denn es ist alles andere als selten, Schuesse zu hoeren. Das hoert sich jetzt alles schrecklich an, aber ich darf trotzallem alleine in die Stadt, was mir zeigt, dass ich nicht in allzu grosser Gefahr stecke. Alles in Allem kann ich behaupten, dass der letzte Monat der praegenste, interssanteste und beste in meinem Leben war. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt, habe Erfahrungen gesammelt, die ich nie wieder vergessen werde und bin durch Gefuehle gegangen, die ich niemals zu bekommen erwartet haette.
Muchas, muchas gracias, dass mir dieses wunderbare Jahr ermoeglicht wurde!
Rotary? Te amo!





