Sonntag, 14. März 2010

Ein Tag der ganz anderen Art

Wie sehr ich das Leben doch liebe.
Dieser Satz ist nicht das Resultat meiner uebermaessigen Begeisterung fuer Ecuador, sondern mehr eine Schlussfolgerung aus den Erlebnissen, die mich dem Tod gestern ganz nah haben fuehlen lassen.

"Echt? Wir koennen Tote sehen?"
Das war meine erste Frage, die ich stellte, als die Lehrer ueber die Reise nach Quito erzaehlten.
Es ging los gestern morgen um 5 Uhr, so wie alle von der Schule organisierten Ausfluege. 3 Stunden spaeter kamen wir den an der Universitaet fuer Medizin in Quito an. Es wurden wir in einen grossen Hoersaal gefuehrt. Das erste was mir beim Betreten auffiel, war die goldene Baare in der Mitte des Saales. Wir setzten uns, wurden ein bisschen befragt von den fuer uns zustaendigen Betreuern. Dann bekamen wir Kittel, Masken und Haarschutze fuer die bevorstehende Stunde. Bis zu diesem Moment habe ich nicht damit gerechnet, dass sie uns die Toten echt sehen lassen wuerden. Ich war super aufgeregt. Hatte das ja schliesslich schon 3000 mal in der beruehmten Fernsehserie gesehen. Nun war es an der Zeit den eigenen Kittel anzulegen. ;) Dann ging es zu dem Gebaude, in dem sie schon auf uns "warteten". Wir kontrollierten nochmal, ob unsere Handschuhe auch wirklich uber den Kittel gezogen waren, um auch wirklich keine gefaehlriche Bakterien-Krankheit der Toten zu uebernehmen. Dann ging es los. Anspannung bei allen. Einen Schritt ueber die Schwelle und da lagen sie auch schon. 2 Leichen - friedlich, aber gruseliger den je. Die Tatsache, dass es die Gestalten waren, die man sonst nur von den eingeblendeten CSI Miami-Fotos kennt, die man dazu moeglichst nicht sehen moechte, machte die erste Minute alles andere als einfacher. Ich fand es von der ersten Sekunde an super spannend, dazu noch interessant, aber wenn man eines seiner Gleichen dort liegen sieht, dann wird einem doch anders. Sehr anders. Wir haben es in meinen Erzaehlungen mit einer Dame zu tun, die ihr Leben schon seit ca. 6 Monaten hinter sich hat und einem Herrn der schon seit einem Jahr als ein buchstaeblicher "Lehrkoerper" dient. (Oh man, das ist doch mal ein Witz, oder? :D) Ihr lest, beide Toten sind schon ein Weilchen nicht mehr unter uns, was wahrscheinlich, den auf laengere Dauer, unertraeglichen Geruch verursachte. Die Frau war noch in einem "guten Zustand", wie der Doktor so schoen zu sagen pflegte. Ich will da jetzt nicht so ins Detail gehen, was ich meinerseits alles fuer "nicht mehr in einem so guten Zustand" gehalten habe. Der Mann dagegen sah schon etwas mitgenommener aus. Im Gegensatz zur Frau war er an saemtlichen Stellen aufgeschnitten, die uns so einige Einblicke in den menschlichen Koerper moeglich machen. Meine Lieben, wer kann von sich behaupten menschliches Hirn angefasst zu haben oder besser das Herz aus einem Koerper genommen zu haben? Moerder, Aertze, ich? Meine Guete, ich kann es immer noch nicht fassen. Da sind wir auch schon beim naechsten Thema. Trotz Begeisterung und Interesse kann ich es nicht begreifen, wie es moeglich sein kann, das soetwas in einem Land gestattet ist? Meine seelische Verfassung ist gut, ich kann damit umgehen. Was ist mit Leuten, die sich ueberschaetzen und sich auf diese Situation naiverweise und aus Neugier einlassen? Ich habe euch noch nicht erzaehlt, dass sie Leute unbekannt waren und somit nicht genehmigen konnten, dass sie irgendwann als Lernobjekt auf einer Baare liegen. Was ist mit dieser Tatsache? Unglaublich. Dann haben sie uns noch auf den Respekt fuer die Toten hingewiesen. Als ich dann in den Raum mit den "Kuehlschraenken" kam und auf einer Baare daneben 5 Koerper sah, die auf einer gestapelt lagen, konnte ich diese Aussage des Respekts nicht mehr verstehen. Genauso wenig, als wir in einem anderen Raum Babies, so welche wie siamesische Zwillinge und andere spektakulaere Dinge, in Glaeser sahen. Das an sich fand ich vertretbar, aber die Wanne mit ca. 10 Babies unter dem Regal, die eine Art Muelleimer darstellte, war dann doch unbegreiflich. Nochmal, wie koennen sie von Respekt sprechen. Ich habe noch nie soviele illegale Sachen an einem Tag gesehen.
Nach diesem Erlebnis war der Besuch im Schlangenmuseum, in welchem ich eine Schlange auf dem Arm hatte fast uninteressant.
Als ich dann abends wieder zu Hause war, hatte ich so viele Gedanken in meinem Kopf, wie schon lange nicht mehr. Mit dem Schlafen wurde es auch etwas schwierig An dieser Stelle einen Dank an Luise, die mich aufgemuntert hat.
Ein echt spannender Tag und so einige Erfahrungen mehr, die ich in meinem Leben nicht vergessen werde.
Liebste Gruesse aus Ecuador, das Land der unendlichen Moeglichkeiten,
Johanna

P.S. Fotos (die unglaublicherweise zu machen erlaubt waren), werden auf Bitten rausgegeben. ;)

2 Kommentare:

  1. Hanna,was haste wieder toll geschrieben!!!! Meine Bitte ist die erste:bei allem Respekt,aber raus mit den Fotos,ich kanns nicht abwarten!!!
    ♥Hab dich ganz doll lieb♥

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  2. Hallo Johanna,
    diesen Bericht über Deine zeit in Ecuador habe ich Kira dann doch mal vorenthalten. Aber sie (und wir auch) sind immer noch ganz begeistert von Deinen Berichten. am Spannendsten für die Kinder war natürlich der "Dschungel"-Bericht. Vielleicht hast Du ja mal ein paar Fotos für uns, damit sie sich das besser vorstellen können. Wir wünschen Dir auch weiterhin ganz viel Spaß!

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